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16.09.2016

Bericht aus der Fide-Schiedsrichterkommission

Parallel zur Schacholympiade in Baku haben auch mehrere Kommissionen getagt. Ich selbst habe an der Sitzung der Schiedsrichterkommission sowie an der 2. Sitzung der Qualification Commission teilgenommen. Die Sitzung der Regelkommission fand leider parallel zu den Partien statt, so dass ich nicht teilnehmen konnte. Leider sind die endgültigen Bestätigungen aller Kommissionen auf das nächste Presidential Board vertagt worden, so dass wir für eine endgültige Bestätigung dieser Änderungen noch wahrscheinlich bis Anfang nächsten Jahres warten müssen. Alle Regeländerungen werden zum 1.7.2017 wirksam.

Erfreulicherweise waren alle (Schiedsrichter-)Titelanträge des deutschen Schachbunds erfolgreich. So wird Steffan Uhlenbrock in Kürze zum Internationalen Schiedsrichter ernannt. Die Schachfreunde Nils Altenburg, Ruediger Schaefer und Tobias Stempfle können demnächst als Fideschiedsrichter Turniere leiten. Auch bei den Schiedsrichterkategorien gab es ein paar Updates. Egmont Pönisch wird in die A-Kategorie und Jürgen Kohlstädt in die B-Kategorie befödert. Weiterhin dürfen sich Frank Jäger, Thomas Strobl und Jens Wolter über ihre Einstufung in die C-Kategorie freuen.

Der am meisten diskutierte Punkt in der Schiedsrichterkommission war der Antrag, dass man in der Zukunft nur noch Lecturer werden kann, wenn man mindestens B-Schiedsrichter ist. Hier war leider eine Mehrheit der Kommission für diesen Antrag. Interessanterweise waren die nicht stimmberechtigten Teilnehmer mit großer Mehrheit gegen diesen Antrag. Es stellt sich die Frage, ob die Qualifikation als B-Schiedsrichter automatisch auch eine didaktische Fähigkeit impliziert. Im Bereich des DSB haben wir aktuell Klaus Deventer, Jürgen Klüners und Jürgen Kohlstädt als Lecturer.

 

Weiterhin gab es viele kleine Änderungen. Die Fide will das Mindestalter für die National-Arbiter-Lizenz auf 16 Jahre senken. Weiterhin wird es in Zukunft etwas schwerer Fide-Schiedsrichter zu werden, da man nur noch ein Turnier mit 5 oder 6 Runden einbringen kann. Bei den Klassifikationen gab es einige Klarstellungen. Bei den Regulations for the Training of Chess Arbiters gibt es neben der oben angesprochenen Änderung noch folgende neue Dinge zu berichten. So gibt es jetzt offiziell die Formulare FL1 und FL2, und die Mindestdauer des Seminars wurde auf 18 Stunden angehoben.

 

Es gab einen Antrag, dass jeder Schiedsrichter (NA, FA, IA) jedes Jahr ein Online-Seminar besuchen soll und auch online einen Test bestehen soll, um seine Schiedsrichterlizenz auch in Zukunft zu behalten. Über diesen Antrag wurde nicht abgestimmt, aber ich hatte das Gefühl, dass er in dieser Form keine Mehrheit gefunden hätte. Es wurde beschlossen, eine Unterkommission einzurichten, die sich Gedanken über die Ausbildung von Schiedsrichtern machen soll. Ich habe mich bereit erklärt, in dieser Kommission mitzuarbeiten.

 

Bei der Qualification Commission habe ich nur die 2. Hälfte mitbekommen. Bei den Ratingbestimmungen wurde der Paragraf 1.1 insoweit angepasst, dass die Mindestbedenkzeiten jetzt pro Partie und nicht für ein ganzes Turnier angeschaut werden. Hierbei geht es darum, unter welchen Voraussetzungen man Partien mit einer Bedenkzeit von weniger als 2h pro Spieler Elo auswerten lassen kann. Eine 2. Änderung betrifft den K-Faktor in Paragraf 8.56, wenn ein Spieler zu viele Partien innerhalb eines Monats spielt. In diesem Fall wird der K-Faktor so reduziert, dass K*n (n Anzahl Parrien) kleiner oder gleich 700 ist. Bei den Titelbestimmungen wurde ein bisschen bei den direkten Titel geändert. Eine wesentliche Änderung ist, dass man direkte Titel erst dann bekommen soll, wenn man neben dem Turniererfolg eine Mindestelo aufweist (GM 2300, IM 2200, FM 2100, CM 2000, WGM 2100, WIM 2000, WFM 1900, WCM 1800). Wenn ein Spieler in einem 9-Rundenturnier eine Partie kampflos gewinnt, so kann er eine Norm erhalten, wenn er in den übrigen 8 Partien alle Kriterien für eine 8-Rundennorm erfüllt. Ab dem 1.7.2017 wird es nicht mehr erlaubt sein, Partien aus verschiedenen Ligen zu poolen, d.h. ein Spieler, der für einen Verein 1. und 2. Bundesliga spielt, kann diese Partien dann nicht mehr zu einem Turnier zusammenfassen.

 

Es wird bereit jetzt angekündigt, dass ab dem 1.7.2021 keine Normen mehr möglich sind, wenn nicht jeder Spieler pro Zug mindestens 30 Sekunden Inkrement bekommt.

 

Wie bereits gesagt, war ich nicht in der Regelkommission gewesen. Im groben wurden die Beschlüsse umgesetzt, die vorher auf der Fideseite anegkündigt worden sind. Ich hoffe, dass das Presidential Board zeitnah die Änderungen beschließen wird.

 

Jürgen Klüners

// Archiv: Schiedsrichterkommission // ID 21329

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